Blinde Sportlerin meistert Ausdauer-Dreikampf

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Volle Teilnehmerfelder beim Triathlon-Festival
Es war sehr ein emotionaler Moment im Neubornbad Wörrstadt: Hand in Hand mit ihrem Begleiter Bernd Kaufmann lief die blinde Sportlerin Patricia Bueno ins Ziel. Es war ihr erster Triathlon, und war sie vor dem Start noch nervös und angespannt, sollte sich die Aufregung spätestens nach der tollen Schwimmzeit (alle Ergebnisse und Zeiten in der Ergebnisliste) legen. Im Becken orientierte sich Patricia an der Begrenzungsleine und am Beckenrand, da sie noch ganz schwach Kontraste wahr nehmen kann. Die Physiotherapeutin und Bernd Kaufmann, der schon mehrmals beim TFR gefinished hat, bilden schon seit längerem ein Team auf dem Fahrrad-Tandem. Anfang des Jahres hatte Patricia Bueno dann die Idee, einen Triathlon zu machen, und schon stand die Meldung für das Triathlon-Festival Rheinhessen. Nach dem Wechsel auf das Tandem und einem etwas schwankenden Start fanden die beiden einen guten Rhythmus und auch der Übergang zum Laufen in Wechselzone 2 klappte gut. Rund liefen auch die abschließenden 5 Kilometer, ohne Seitenstechen, mit dem die 26jährige sonst immer zu kämpfen hat, lief sie gemeinsam mit Bernd Kaufmann über die Ziellinie.
Mit der elfjährigen Mina Hecht ging eine weitere Sportlerin mit Handicap bei den Schülern an den Start. Auch für Mina, die durch eine Gleichgewichtsstörung gehandicapt ist, war es der erste Triathlon und auch sie meisterte ihn mit Bravour. Begleitet wurde sie von Mitgliedern des Paratriathlon-Stützpunktes Rheinland-Pfalz. Paratriathlon – das ist die Variante des Triathlons für Menschen mit Behinderung und der Radfahrerverein hofft, daß im kommenden Jahr, bei der 29. Auflage des Triathlons in Wörrstadt, noch mehr Paratriathleten am Start sind.
Insgesamt waren es in diesem Jahr rund 300 Sportler, die beim TFR starteten. Volle Felder beim Olympischen Triathlon und im Sprint, das freute das Orga-Team besonders, aber ebenso groß war die Freude darüber, dass auch bei den Staffeln und bei den Schüler und Jugendlichen mehr Betrieb herrschte als in den Jahren zuvor. Großes Plus auch in diesem Jahr: Start, Ziel und die beiden Wechselzonen sind im Schwimmbad, so was nennt sich Triathlonsport geballt und ein hautnahes Erlebnis auch für die Zuschauer, die sich aber auch auf den Lauf- und Radstrecken verteilten. Sportlich dominierte zunächst ein echter „Wörrstädter Junge“: Im Olympischen Triathlon hielt der Wörrstädter Florian Waghäusel lange die Bestzeit, ehe ihn der Darmstädter Philip Mund auf Platz zwei verwies. Mundt siegte in Abwesenheit des Seriensiegers Steffen Stegmann, der den Olympischen drei Mal in Folge gewonnen hatte. Siegerin bei den Damen wurde Caroline Pratschker aus Dramstadt, die zum ersten mal in Wörrstadt startete. Janine Mangelsdorf, die schon des Öfteren auf dem Treppchen in Wörrstadt gestanden hat und einmal sogar gewann, wurde Dritte. Insgeheim hatte sie sich vielleicht etwas mehr ausgerechnet, aber ein paar Wochen zuvor hatte sie in Frankfurt ein tolles Ironman-Debut hingelegt und dort vielleicht zu viel Körner gelassen. Wörrstädter Dominanz im Damen-Sprint: Erste wurde Ulrike Roussel vom Wörrstädter WRAG Tria-Team mit nur sechs Sekunden Vorsprung vor Nadine Bleser vom ausrichtenden Radfahrerverein. Nadine ist sowas wie ein Dauerkandidat für das TFR-Siegerpodest, und für Ulrike war es nicht der einzige Sieg an diesem Tag. Gemeinsam mit Thomas Sandberg und ihrem Sohn Cédric gewann sie auch noch die Sprint-Staffel, sehr zum Leidwesen des TFR-Orgateams, das den Titel aus dem vergangenen Jahr nicht verteidigen konnte und Dritter wurde. Im Sprint der Herren siegte Michael Herberger vor Nicolas Dell. Dank der vielen Helfer, der Unterstützung des THW und der Polizei Wörrstadt, des DRK und der Feuerwehr Rommersheim war das TFR wieder ein wahres Festival, wie RV-Präsident Lothar Lang und Orga-Chef Stefan Lukas später bilanzierten. Und mit von der Party war auch wieder Hans-Willi Freiberger, den man schon als Legende des TFR bezeichnen kann. 1993 war er zum ersten Mal dabei, im Sprint war er in diesem jahr „nur“ Sechster, aber seine Bestmarke, nämlich 12 Siege beim Wörrstädter Triathlon, die wird so schnell keiner erreichen.